Eine Rezension von Prof. Dr. Bernd Senf (FHW Berlin)

Prof. Bernd Senf

Prof. Bernd Senf

Zum Buch von Andreas Meyer: „Sanfte Schmetterlings-Babymassage –

Die Entwicklung der Lebenskräfte und ihre physiologischen Grundlagen“

„Dieses Buch ist eigentlich eine Liebeserklärung. Es erzählt von der Liebe zum Lebendigen.“ So beginnt das Vorwort von Andreas Meyer, und es enthält inhaltlich deutlich mehr, als die meisten von diesem Titel erwarten würden. Es geht im Grunde um nicht weniger als die Erkenntnis von Wilhelm Reich und anderen Lebensenergie- (oder Lebenskräfte-) Forschern, dass der Mensch nicht von Natur aus neurotisch, psychotisch und gewaltsam ist, sondern dass er mit einem reichen Potenzial an Lebensentfaltung und Liebesfähigkeit auf die Welt kommt. Wie viel und in welcher Weise es sich entfaltet oder blockiert wird und sich in Hass, Gewalt, Neurosen und Psychosen verwandelt, hängt wesentlich von den ganz frühen Erfahrungen im Leben eines Menschen ab – im Mutterleib, während und kurz nach der Geburt. Je früher und je traumatischer die Erfahrungen sind, um so tiefer prägen sie sich im Unbewussten ein und werden später zur Triebkraft einer Vielzahl destruktiver Tendenzen und Gewaltentladungen – nach innen und/oder nach außen. Das gilt für den einzelnen Menschen gleichermaßen wie für ganze Gesellschaften. Das bedeutet umgekehrt aber auch: Je liebevoller, sanfter und beglückender die frühen Erfahrungen sind – frei von Schmerz, Angst und Schuldgefühlen, um so mehr Liebe werden sie in ihr Leben und in ihre Umgebung ausstrahlen. Deswegen kann ein Buch über „Babymassage“ auch eine „Liebeserklärung“ sein.

Mit diesem Buch bekennt sich Andreas Meyer klar zum Lebendigen und Liebevollen, und das ist für mich nicht nur rational erkennbar, sondern auch emotional spürbar. Er trägt auf diese Weise mit dazu bei, höchst wertvolles Wissen über die Besonderheiten des Lebendigen zusammen zu tragen, sinnvoll mit einander zu verbinden und vor dem Vergessenwerden zu bewahren. Dass er hierzu in besonderer Weise kompetent ist, ergibt sich auch aus seinem mutigen Engagement noch vor dem Fall der Berliner Mauer, als er unter schwierigsten Bedingungen Foren für Eva Reich (die Tochter von Wilhelm Reich und Pionierin auf dem Gebiet der sanften Geburt und Babymassage) in der damaligen DDR organisiert hatte. Während die äußeren Mauern vor 25 Jahren gefallen sind, werden immer noch und immer wieder – auch im Westen und noch schlimmer in vielen anderen Teilen der Welt – innere Mauern von Charakter- und Körperpanzern erzeugt, beginnend mit unnötigen schmerzhaften Ritualen und Erfahrungen um die Geburt herum, wo es immer noch viel zu humanisieren gibt. Dass auch Rudolf Steiner hierzu schon tiefe Einsichten gewonnen hatte, hat Andreas Meyer durch seine intensive Aufarbeitung der Anthroposophie entdeckt und in seinem Buch mit verarbeitet.

Darüber hinaus enthält das Buch ganz praktische Anleitungen zur Babymassage nach Eva Reich, eine Methode, die ich selbst Anfang der 80er Jahre durch sie kennen gelernt und 1986 mit viel Hingabe an unsere kleine Tochter weiter gegeben habe, eine Erfahrung, die ihr sichtlich wohl tat – und auch mein Herz für dieses damals kleine Wesen liebevoll geöffnet hat (ebenso wie ihr Tragen am Körper). Solche emotional tief empfindenden Erfahrungen sollten möglichst vielen Eltern und Babys zuteil werden, nicht nur als individuelles Glücksempfinden, sondern auch als Beitrag zum Aufblühen von Liebe anstelle von Hass und Gewalt – als Teil einer globalen Heilung und Friedensarbeit. Auch in diesem Sinne wünsche ich dem Buch von Andreas Meyer möglichst weite Verbreitung und vielfältige praktische Umsetzung.

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Über Autor Andreas Meyer

Mitherausgeber von Psychologie, Bewusstseinsforschung und Heilung im Kontext westlicher Spiritualität bei Königshausen & Neumann erschienen. Autor von: Die letzten Templer | Nietzsche und Dionysos beide erschienen im IL-Verlag Basel. Sanfte Schmetterlings-Babymassage erschienen im Info3 Verlag. 13.2.1963 geboren - 18.10.2016 in Berlin verstorben. Sämtliche Blogs werden von Andrea Sydow kuratiert
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